Bhagavad-gītā - Übersicht der 18 Kapitel


Sri Isopanisad

Kapitel  1 - Die Armeen auf dem Schlachtfeld von Kuruksetra
Kapitel  2 - Inhalt der Gita zusammengefasst
Kapitel  3 - Karma - yoga
Kapitel  4 - Transzendentales Wissen
Kapitel  5 - Karma - yoga - Handeln im Krisna - Bewußtsein
Kapitel  6 - Sankhya - yoga
Kapitel  7 - Wissen über den Absoluten
Kapitel  8 - Wie man den Höchsten erreicht
Kapitel  9 - Das Vertraulichste Wissen
Kapitel 10 - Die Füllen des Absoluten
Kapitel 11 - Die universale Form
Kapitel 12 - Hingebungsvolles Dienen
Kapitel 13 - Natur, Genießer und Bewußtsein
Kapitel 14 - Die drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur
Kapitel 15 - Der yoga der Höchsten Person
Kapitel 16 - Die göttlichen - und die dämonischen Naturen
Kapitel 17 - Die verschiedenen Arten des Glaubens
Kapitel 18 - Schlußfolgerung - die Vollkommenheit der Entsagung



Bhagavad-gītā  Kapitelübersicht

 

Kapitel 1: Sainya-Darśana

(Die Armeen auf dem Schlachtfeld von Kuruksetra) – 46 Ślokas

Nachdem sich die Söhne Dhṛtarāṣṭras mit friedlichen Mitteln nicht dazu bewegen ließen, den Pāṇḍavas ihr rechtmäßig zustehendes Erbe zu gewähren, erklären diese den konkurrierenden Kauravas den Krieg. Beide Parteien treffen sich auf einem Feld namens Kurukṣetra und zeigen ihre ganze Kampfkraft. Die größten Helden und Kämpfer der Kuru-Dynastie sind vertreten. Um ihre Stärke zu demonstrieren, lassen sie ihre gewaltigen Muschelhörner erklingen. Arjuna bittet seinen Wagenlenker Kṛṣṇa, den höchsten Herrn, ihn zwischen die Heere zu fahren, wo er Kṛṣṇa seine Zweifel gegen diese Schlacht darlegt. Für ihn ist es eine große Sünde, die Mitglieder der eigenen Familie zu töten. Er fürchtet den Untergang der Dynastie und den daraus resultierenden Niedergang von Moral und Tugend, da das dharma – die spirituellen Prinzipien des Lebens – nur innerhalb der Dynastie geschützt sei. Schließlich fühlt sich Arjuna außer Stande zu kämpfen und legt seine Waffen voller Kummer nieder.


Kapitel 2: Sāṅkhya-Yoga

(Inhalt der Gita zusammengefasst) – 72 Ślokas

Kṛṣṇa appeliert an Arjuna, seine Mutlosigkeit zu überwinden und die standesgemäße Pflicht eines Kriegers zu erfüllen und zu kämpfen. Er macht Arjuna klar, dass die Seele jedes Lebewesens unsterblich ist, und beim Tod nicht zerstört wird, wenn sie den Körper lediglich verlässt, um einen neuen anzunehmen. Erscheinungen wie Freude und Leid sind nur flüchtige Ereignisse, von denen man sich nicht verwirren lassen darf. Man darf sich auch nicht für die Ursache der Folgen seines Handelns halten, denn diese werden allein von Gott gewährt. In diesem Bewusstsein soll man handeln, ohne den Früchten des eigenen Handelns eine Bedeutung zukommen zu lassen. Nur dem transzendentalen Göttlichen soll man seine Beachtung schenken und all seine Tätigkeiten in den Dienst des Höchsten stellen. Auf diese Weise wird man von der Wiedergeburt in der leidvollen materiellen Welt befreit. Arjuna bittet Kṛṣṇa, ihm die Eigenschaften eines Menschen mit reinem Geist und einem auf die Transzendenz ausgerichteten Bewusstsein darzulegen. Kṛṣṇa beschreibt die Eigenschaften eines solchen Menschen unter anderem mit Freiheit von materiellen Wünschen, Gleichmut gegenüber Leid und Freude, Beherrschung der eigenen Sinne sowie Losgelöstheit von den Früchten des eigenen Handelns.


Kapitel 3: Karma-Yoga

(Karma-Yoga / Yoga auf der Grundlage selbstlosen Handelns) – 43 Ślokas

Nachdem Kṛṣṇa im vorangegangenen Kapitel die Bedeutungslosigkeit materieller Ziele dargelegt hat, kann Arjuna nicht verstehen, weshalb weltliche Handlungen – wie die bevorstehende Schlacht – dann angesichts der Erhabenheit transzendentaler Ziele überhaupt noch eine Rolle spielen. Doch Kṛṣṇa macht Arjuna klar, dass Passivität kein Mittel ist, um karmischen Reaktionen zu entgehen. Entscheidend ist nicht das Handeln selbst, sondern die innere Haltung gegenüber den Ergebnissen des Handelns. Er betont die Notwendigkeit, zur Reinigung der eigenen Motive alle Handlungen dem Höchsten als Opfer darzubringen. Nur für jemanden, der schon von allen materiellen Anhaftungen befreit ist, sind weltliche Handlungen bedeutungslos, denn er hat das Ziel bereits verwirklicht. Für alle anderen Menschen ist die selbstlose Ausführung ihrer Pflichten jedoch unerlässlich, zumal sie der Menschheit so ein Vorbild sein können. Weltliche Handlungen entspringen lediglich der Wechselwirkung der materiellen Sinne mit den von ihnen wahrgenommenen Objekten. Obwohl sich das spirituelle Selbst jenseits der Materie befindet, verstrickt sich das Lebewesen mit der Materie durch die irrtümliche Identifikation mit den Wahrnehmungen der Sinne und dem Wunsch nach materiellem Genuss. Die Begierde bzw. das Verlangen nach Genuss, ist das Grundübel, das die Lebewesen mit der Materie verstrickt und zu tugendlosen Handlungen treibt. Aufgrund der Überlegenheit des Verstandes gegenüber den Sinnen ist es daher notwendig, mit Hilfe des Verstandes die Sinne zu beherrschen, um die materielle Anhaftung an die Ergebnisse der eigenen Handlungen zu überwinden.


Kapitel 4: Jñāna-Yoga

(Yoga durch transzendentales Wissen) – 42 Ślokas

Die schon im dritten Kapitel angesprochene Bedeutung selbstlosen Handelns wird im vierten Kapitel von Kṛṣṇa noch vertieft. Er betont mehrfach, dass das Wissen um diese Bedeutung die Voraussetzung für spirituelle Vollkommenheit und für die Befreiung von den karmischen Reaktionen des eigenen Handelns ist. Schon seit Anbeginn der Zeit ist Kṛṣṇa immer wieder erschienen, um der Menschheit dieses Wissen zu offenbaren, durch das es zahllosen Suchenden gelungen ist, aus dem Kreislauf der Wiedergeburten auszubrechen. Kṛṣṇa macht deutlich, dass Er selbst ohne Anhaftung an die Ergebnisse Seiner Handlungen ist und die Weisen, die diesem Beispiel folgen, nicht mehr an die materielle Energie gebunden sind und so zu Kṛṣṇa gelangen können. Wichtig hierbei ist das Aufgeben materieller Wünsche, die mit den eigenen Handlungen verbunden sind, die Beherrschung der eigenen Sinne und das damit verbundene Aufgeben von Handlungen, die lediglich der Sinnesbefriedigung dienen, sowie Gleichmut gegenüber vorübergehenden Erscheinungen wie Freude und Leid. In einer solchen Geisteshaltung kann jeder Mensch seinen täglichen Pflichten nachkommen, ohne sich materiell zu verstricken. Wer nun sein Handeln als Opfer für Gott ausführt, entwickelt so ein Bewusstsein, das nicht mehr auf den eigenen Vorteil ausgerichtet ist, sondern auf die spirituelle Wirklichkeit. In dieser Weise helfen die verschiedenen Opferhandlungen, wie sie in den vedischen Schriften beschrieben sind, transzendentales Wissen zu entwickeln. Mit Hilfe dieses Wissens werden aber auch die Handlungen selbst geläutert, wodurch ein Prozess ausgelöst wird, der dazu führt, dass das spirituelle Bewusstsein eines Menschen immer mehr wächst und seine Handlungen immer mehr gereinigt werden. Kṛṣṇa betont, dass das selbstlose Opfer an den Höchsten die unverzichtbare Bedingung für das Ende des leidvollen Daseins in der materiellen Welt ist. Die wirksamste Waffe, mit dem das eigene Handeln gereinigt werden kann, ist das transzendentale Wissen über den Pfad des selbstlosen Handelns in Hingabe an den Höchsten. Schließlich fordert Kṛṣṇa Arjuna auf, seine Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Krieges mit Hilfe dieses Wissen zu überwinden und ohne Angst um die Folgen seine Pflicht als Krieger zu erfüllen.


Kapitel 5: Karma-Yoga

(Karma-yoga - Handeln im Krisna-Bewußtsein, durch das Entsagen von materiellen Tätigkeiten) – 29 Ślokas

Arjuna ist verwirrt, denn Kṛṣṇas Ausführungen über die Bedeutung von Entsagung und von hingebungsvollem Handeln erscheinen ihm widersprüchlich. Daraufhin erklärt Kṛṣṇa, dass beide Wege zum Ziel führen, da sie an sich eins sind, denn wirkliche Entsagung besteht nicht in der bloßen Aufgabe von Handlungen (was nur zu körperlichem Leid führt), sondern im Loslassen des Angehaftetseins an die Früchte der eigenen Handlungen. Durch hingebungsvolles Handeln löst sich diese Anhaftung auf. Die Bindung an die Materie geschieht durch Unwissenheit bezüglich der Natur des Handelns. Wer in Unwissenheit handelt, glaubt, er sei selbst der Handelnde und die Ursache für die Ergebnisse der Handlungen. In Wirklichkeit sind weltliche Handlungen aber lediglich das Ergebnis der Wechselwirkung zwischen den körperlichen Sinnen, den äußeren Sinnesobjekten und dem Geist, die alle der materiellen Energie unterworfen sind. Da ein Mensch in Unwissenheit glaubt, er sei der Körper und der Handelnde, geht er in dieser Weise eine Verbindung mit der materiellen Energie ein, die auf Illusion beruht, und verstrickt sich dadurch mit ihr. Durch Aufgabe der Identifikation mit dem materiellen Körper und durch die Erkenntnis, dass sinnliche Erfahrungen allein schon durch ihre zeitweilige Natur keine wirkliche Existenz besitzen und schließlich zu Leid führen, löst sich das spirituelle Selbst allmählich von der Materie und gewinnt so inneren Frieden. Durch die Hinwendung zur transzendentalen Wahrheit, die durch den höchsten Herrn verkörpert ist, findet das individuelle Selbst zurück zu seiner eigenen ursprünglichen transzendentalen Natur, die durch dauerhaftes Glück gekennzeichnet ist. Die letzte Konsequenz aus dieser inneren Verwirklichung ist die Befreiung der individuellen Seele aus dem Kreislauf der Wiedergeburt in der materiellen Welt und das Eintreten in die höchste spirituelle Wirklichkeit.


Kapitel 6: Sankhya-Yoga

(Yoga durch Meditation) – 47 Ślokas

In den vorangegangenen Kapiteln hatte Kṛṣṇa den Schwerpunkt Seiner Ausführungen auf die spirituellen Wege der Entsagung und des hingegebenen Handelns gelegt. Dieses Kapitel ist nun dem Vorgang der Meditation gewidmet, denn im Zentrum jedes spirituellen Weges steht die Beherrschung des Geistes, der sich von den körperlichen Sinnen immer wieder ablenken lässt, wodurch das Bewusstsein von der Transzendenz auf die materielle Ebene hinabgezogen wird. Für den spirituellen Fortschritt ist es daher unerlässlich, den Geist aktiv auf das reine Selbst zu konzentrieren und sich in dieser Weise mit dem Höchsten zu verbinden. Kṛṣṇa beschreibt ausführlich die äußeren und inneren Umstände, die der Meditation förderlich sind, sowie den geistigen Zustand, der durch die Meditation erreicht wird. Innerer Frieden, Freude, Gleichmut, Mitgefühl mit allen Lebewesen sowie die Erkenntnis der Allgegenwart des Herrn sind einige der Merkmale stetiger Meditation, durch die man schließlich alles irdische Leid überwinden kann. Arjuna fällt es allerdings schwer, diesen Vorgang anzuerkennen, denn er weiß, wie mühsam es in der Regel ist, den Geist unter die eigene Kontrolle zu bekommen. Kṛṣṇa weist ihn aber darauf hin, dass dieser Weg zwar schwer doch durch entschlossenes Üben durchaus zu bewältigen ist. Arjuna fürchtet, dass jemand, der trotz großen Bemühens aufgrund der Rastlosigkeit des Geistes vom spirituellen Weg wieder abkommt, für immer verloren ist. Doch Kṛṣṇa lässt ihn wissen, dass auch die kleinste Anstrengung belohnt wird und der Wunsch nach Vollkommenheit einen Suchenden trotz Rückschlägen immer wieder auf den spirituellen Pfad zurückbringen wird. Schließlich betont Kṛṣṇa die Überlegenheit der Suche nach dem Absoluten gegenüber allen anderen Zielen und ermutigt Arjuna, diesen Weg ebenfalls einzuschlagen.


Kapitel 7: Vijñāna-Yoga

(Wissen über den Absoluten. Yoga durch verwirklichte transzendentale Erkenntnis) – 30 Ślokas

In diesem Kapitel offenbart Kṛṣṇa die Inhalte der transzendentalen Erkenntnis, die aus spirituellen Handlungen folgt. Er erklärt, dass Er die erste Ursache der gesamten Schöpfung ist und es keine Ursachen gibt, denen Er selbst unterworfen wäre. Die materielle Welt entspringt Seiner niederen Energie, während die Lebewesen aus einer höheren Energie hervorgehen. Jeder Aspekt der Schöpfung ist ein Bestandteil des höchsten Herrn, doch die Lebewesen sind sich dessen nicht bewusst, da sie der materiellen Täuschung unterworfen sind, die von der Yogamāyā-Energie Kṛṣṇas verursacht wird. Nur durch die Hinwendung zum Höchsten ist es ihnen möglich, diese Täuschung zu überwinden. Wer in seinem Leben lediglich materielle Ziele anstrebt, wird auch nur zeitweiligen Gewinn und keine höhere Erkenntnis ernten. Wer sich dem Herrn aber bedingungslos hingibt und unablässig an Ihn denkt, erlangt vollkommenes Wissen, wird von den Fesseln der materiellen Welt befreit und gelangt schließlich in Sein transzendentales Reich.


Kapitel 8: Brahma-Yoga

(Wie man den Höchsten erreicht. Yoga durch die Verbindung mit der höchsten Wirklichkeit) – 28 Ślokas

In diesem Kapitel beantwortet Śrī Kṛṣṇa verschiedene Fragen Arjunas, die mit der Frage beginnen: "Was ist Brahman?" Der Herr erklärt auch die elementaren Prinzipien, auf denen die verschiedenen Aspekte der Transzendenz und der Materie beruhen. Śrī Kṛṣṇa beantwortet diese Fragen zur Natur des Absoluten, der Seele, der göttlichen Person, des Karma usw. und betont daraufhin die Möglichkeit jedes Lebewesens, durch vollkommene Ausrichtung des Geistes auf den Höchsten der Materie zu entkommen und das Absolute zu erreichen. Obwohl alle verkörperten Lebewesen seit Milliarden von Jahren durch Unwissenheit und den Wunsch nach Sinnesbefriedigung an das Rad der Wiedergeburt in der materiellen Welt gebunden sind, ist ihnen die Befreiung aus diesem leidvollen Dasein gewiss, wenn sie ihre materiellen Anhaftungen überwinden und sich dem Höchsten bedingungslos hingeben. Jenseits der materiellen Manifestation existiert das unvergängliche Reich Gottes, von dem niemand zurückkehren muss, der es erst einmal erreicht hat. Nach dem Ende ihres irdischen Daseins wird das Schicksal der Seele durch die innere Geisteshaltung sowie durch äußere zeitliche Faktoren beeinflusst. Wer innerlich und äußerlich im Licht seinen Körper verlässt, gelangt in das ewige Reich Gottes. Wer aber unter dem Einfluss der Dunkelheit verscheidet, der wird einen neuen materiellen Körper annehmen müssen und in die Welt des Vergänglichen zurückkehren.


Kapitel 9: Rājaguhya-Yoga

(Yoga durch das vertraulichste Wissen) – 34 Ślokas

Śrī Kṛṣṇa erläutert Arjuna in diesem Kapitel das vertrauliche Wissen über die transzendentale Natur des Höchsten. Die höchste spirituelle Persönlichkeit, Kṛṣṇa, ist der Ursprung der gesamten Schöpfung. Er ist die Ursache, der Erhalter und der Zerstörer aller Dinge und Lebewesen. Er ist das höchste Gesetz und ist selbst keinem Gesetz unterworfen. Alles ist in Ihm enthalten, und obwohl Er als Überseele (Paramātma) das gesamte Universum durchdringt, ist das Materielle und Vergängliche nicht Teil Seines ursprünglichen transzendentalen Wesens. Er ist die Entsagung in Vollkommenheit, daher wird Er durch Seine Handlungen nicht gebunden. Die materielle Schöpfung erfolgt gemäß dem Streben der Lebewesen nach Befriedigung ihrer körperlichen Sinne. Da das Materielle der Vergänglichkeit unterworfen ist, müssen die Lebewesen, die nach materiellem Genuss streben, immer wieder das Leid erfahren, das aus der Vergänglichkeit ihrer Ziele resultiert. In dieser Weise bleiben sie in den endlosen Zyklen von Entstehen und Vergehen gefangen, bis sie den Wunsch entwickeln, diesen Kreisläufen zu entkommen. Wer aber von der materiellen Illusion verblendet ist und keinen Geschmack am spirituellen Leben hat, dem bleibt Gott auch weiterhin verborgen. Durch die Loslösung von der vergänglichen Materie und durch die Hinwendung zum unvergänglichen Höchsten ist es nun möglich, die materielle Ebene zu verlassen und zu Kṛṣṇa zurückzukehren. Durch ständige Meditation über das Wesen der Natur Gottes wird der Geist von materiellen Wünschen gereinigt, und es entsteht eine innige Verbindung zum höchsten Herrn. Alle Vorgänge der spirituellen Läuterung, wie sie in den vedischen Schriften beschrieben sind, gehen direkt von Kṛṣṇa aus, und Er ist sowohl der Herr aller Opferhandlungen als auch deren Ziel und Genießer. Kṛṣṇa warnt aber auch davor, sich lediglich die Überwindung von Leid zum Ziel zu machen. Durch die Verehrung der Halbgötter ist es zwar durchaus möglich, unvorstellbaren himmlischen Genuss zu erreichen, doch ist auch ein solches Schicksal von endlicher Dauer, und man fällt schließlich wieder in das Elend zurück. Vollständige und dauerhafte Befreiung ist nur dann möglich, wenn man sich dem Höchsten kompromisslos hingibt, Gott als sein ausschließliches Ziel anstrebt und Ihn fortwährend und mit allen Mitteln verehrt. Śrī Kṛṣṇa versichert, dass Er Seine Geweihten in jeder Beziehung beschützt und versorgt und dass keine Handlung, die man Ihm in Liebe widmet, unbelohnt bleibt, unabhängig von Herkunft, Charakter und gesellschaftlichem Stand eines Menschen. Dies ist der Weg, durch den man Befreiung erlangt und schließlich zu Gott zurückkehren kann.


Kapitel 10: Vibhūti-Yoga

(Die Füllen des Absoluten - Yoga durch ehrfürchtige Wertschätzung der Herrlichkeit Gottes. ) – 42 Ślokas

In diesem Kapitel erklärt Parasara Muni das Wort "paramam" wie folgt: Jemand, der alle sechs Reichtümer (Füllen) in Vollkommenheit besitzt, nämlich alle Kraft, allen Ruhm, alle Schätze, alles Wissen, alle Schönheit und alle Entsagung, ist paramam oder die Höchste Persönlichkeit Gottes. Während Kṛṣṇa auf der Erde gegenwärtig war, entfaltete Er alle sechs Reichtümer. Deshalb haben alle großen Weisen, wie Parasara Muni, Kṛṣṇa als die Höchste Persönlichkeit Gottes anerkannt.
Zu Beginn dieses Kapitels weist Kṛṣṇa erneut auf Seine Position als erste Ursache aller Dinge und als letztes Ziel allen Strebens hin. Er ist es auch, der das transzendentale Wissen zur Verfügung stellt, durch das alle Lebewesen der Unwissenheit entkommen können. Arjuna bittet Kṛṣṇa dann darum, Er möge ihm doch nun im Detail beschreiben, woran er das Göttliche erkennen kann und über welche Eigenschaften des Höchsten er in seiner spirituellen Praxis meditieren soll. Nachdem Kṛṣṇa im vorangegangenen Kapitel die Bedeutung Seines Wesens innerhalb der kosmischen Manifestation erläutert hat, beschreibt Er Arjuna hier nun die Vielfältigkeit Seiner Herrlichkeit und Seines Reichtums anhand von zahlreichen Gleichnissen, die Arjuna verstehen kann. Er vergleicht Seine Herrlichkeit unter anderem mit Sonne und Mond, mit dem Lobpreisen der heiligen Namen, mit der Gaṅgā und dem Himālaya-Gebirge, dem Banyanbaum, dem Donnerkeil, dem Feuer, dem Ozean, der Silbe oṁ, Geburt und Tod, Zeit und Ewigkeit, dem Löwen, den Gottheiten Viṣṇu, Śiva und Brahmā, dem Frühling, der Gewalt und der Moral. Alle Dinge, die ein gewisses Maß an Reichtum, Schönheit, Macht oder einer anderen herrlichen Eigenschaft besitzen, verdanken diese Eigenschaften dem höchsten Herrn, dessen Herrlichkeit sich in dieser Weise in den Dingen widerspiegelt. Schließlich macht Kṛṣṇa Arjuna aber darauf aufmerksam, dass all diese Beispiele nicht annähernd die Vielfalt und Größe Seiner wahren Pracht begreifbar machen können.


Kapitel 11: Viśvarūpa-Darśana-Yoga

(Die universale Form - Yoga durch den Anblick der universellen Gestalt des Herrn) – 55 Ślokas

Tief beeindruckt von Kṛṣṇas ausführlichen Beschreibungen Seiner göttlichen Eigenschaften wünscht sich Arjuna nun, Er möge ihm Seine allumfassende Gestalt offenbaren. Diese Gestalt wird viśvarūpa genannt; das bedeutet ›Leib der Welt‹ oder ›universelle Gestalt‹. Sie ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sie alle Welten des Universums vollkommen durchdringt und die gesamte Schöpfung einschließlich aller Lebewesen in ihr enthalten ist. Diese Gestalt ist allerdings so erhaben, dass Arjuna sie erst sehen kann, nachdem er von Kṛṣṇa ›transzendentale Augen‹ erhalten hat. Arjuna ist von der gewaltigen Pracht dieses Anblicks dermaßen ergriffen, dass ihn tiefe Ehrfurcht erfüllt. Doch bei weiterer Betrachtung der universellen Gestalt enthüllt sich Arjuna auch Kṛṣṇas fürchterlicher vernichtender Aspekt. Er sieht, welches Schicksal den Kriegern der auf dem Schlachtfeld versammelten Heere bevorsteht, nämlich am Ende von Kṛṣṇa verschlungen zu werden, und Angst mischt sich in die Empfindungen des Pāṇḍavas. Äußerst verstört bittet er Kṛṣṇa daraufhin, ihm doch zu erklären, was er gerade gesehen hat. Kṛṣṇa macht Arjuna klar, dass Er die Personifikation der alles vertilgenden Zeit ist, der niemand entkommt, und Arjuna sich deswegen mutig zum Kampf erheben soll, denn der Sieg sei ihm bereits gewiss. Arjunas Ehrfurcht wächst nun noch weiter an, und er bittet Kṛṣṇa um Vergebung für die leichtfertige Art, in der er sich Ihm in Unkenntnis Seiner wahren Natur in der Vergangenheit gegenüber verhalten hat. Die Angst und Verwirrung wollen ihn nicht verlassen, weshalb er Kṛṣṇa schließlich voller Demut darum bittet, Er möge doch nun wieder Seine gewohnte Gestalt annehmen. Kṛṣṇa zeigt sich daraufhin erst in Seiner vierarmigen und dann wieder in Seiner menschlichen zweiarmigen Gestalt, und Arjuna gewinnt allmählich seine Fassung zurück. Schließlich macht Kṛṣṇa Arjuna darauf aufmerksam, dass der Anblick der universellen Gestalt nur sehr schwer zu erreichen ist und Er in dieser besonderen Form nur durch ungeteilte Hingabe (bhakti) erkannt werden kann, und durch kein anderes Mittel sonst.


Kapitel 12: Bhakti-Yoga

(Hingebungsvolles Dienen. Yoga durch ungeteilte liebevolle Hingabe) – 20 Ślokas

Angesichts der Pracht von Śrī Kṛṣṇas universeller Gestalt möchte Arjuna nun wissen, ob auch jene Menschen das höchste Ziel erreichen können, die lediglich das eigenschaftslose Brahman verehren und anstreben. Kṛṣṇa bestätigt, dass Er auch von den Verehrern Seines unpersönlichen Aspekts erreicht werden kann, doch ist dieser Weg wesentlich mühsamer, da es für Lebewesen, deren eigene Natur durch individuelle Eigenschaften gekennzeichnet ist, äußerst schwierig ist, eine form- und eigenschaftslose Natur zu begreifen und zu verwirklichen. Kṛṣṇa nimmt Arjunas Frage zum Anlass, erneut die Eigenschaften eines Menschen zu beschreiben, der die Reife besitzt, spirituelle Vollkommenheit zu erreichen. Da Kṛṣṇa weiß, dass es nicht jedem Menschen möglich ist, unter allen Umständen reine Hingabe zu leben, umreißt er kurz verschiedene Möglichkeiten der spirituellen Läuterung. Schließlich beschreibt Er ausführlich die vielen Qualitäten Seiner reinen Geweihten, durch die sie Kṛṣṇas besondere Zuneigung erhalten, wie zum Beispiel das Aufgeben materieller Wünsche, den gleichmütigen Geist angesichts von Glück und Leid, die Güte gegenüber allen Lebewesen oder die feste geistige Ausrichtung auf das höchste göttliche Ziel.


Kapitel 13: Prakṛti-Puruṣa-Vibhāga-Yoga

(Natur, Genießer und Bewußtsein. Analyse der materielleen Elemente, Bewußtsein und dem Genießenden) – 35 Ślokas

Im Zentrum dieses Kapitels stehen die Begriffe prakṛti und puruṣa. Das Wort prakṛti kann mit ›materielle Natur‹ und das Wort puruṣa mit ›Genießer‹ übersetzt werden. Durch den Kontakt der individuellen spirituellen Seele mit der prakṛti, die aus den drei guṇas, den materiellen Erscheinungsweisen der Tugend, der Leidenschaft und der Unwissenheit gebildet wird und Kṛṣṇas māyā-śakti (Energie der Illusion) entspringt, vergisst das Lebewesen seine ursprüngliche transzendentale Natur und entwickelt den Wunsch, die materielle Energie zu genießen. Aus diesem Wunsch heraus wird sein Bewusstsein von der prakṛti bedeckt, und es entwickelt sich ahaṅkāra, das falsche Ego, das von der Vorstellung geprägt ist, man selbst wäre der Handelnde und der Genießer der eigenen Handlungen. Aufgrund dieser Verstrickung in die prakṛti entsteht karma (fruchtbringendes materielles Handeln), und das Lebewesen muss nun fortlaufend das Leid von Geburt, Krankheit, Alter und Tod in immer neuen materiellen Körpern erfahren. Erst wenn das Lebewesen durch die erleuchtende Kraft des ihm innewohnenden transzendentalen Paramātma (die Überseele) erkannt hat, dass die materiellen Handlungen allein von der prakṛti bewirkt werden und das individuelle spirituelle Selbst, das sich nur irrtümlich mit dem materiellen Körper identifiziert hat, davon gänzlich unberührt ist, kann es durch dieses Wissen mokṣa (Befreiung) erlangen. Der Bereich, in dem sich die prakṛti manifestiert, also das materielle Universum und der materielle Körper der Individuen, werden in diesem Kapitel als kṣetra (das Feld) bezeichnet, und das Wesen, das über jñāna (Wissen) von diesem Feld verfügt, als kṣetra-jña (der Kenner des Feldes). Śrī Kṛṣṇa ist sowohl der oberste kṣetra-jña als auch der oberste Genießer, der para-puruṣa, denn Er ist alldurchdringend und der Ursprung der materiellen Manifestation. In Seiner formlosen Gestalt als Brahman bzw. als Paramātma weilt Er in jedem einzelnen Lebewesen, ohne Sich dabei selbst mit der materiellen Energie zu verstricken. Durch die in den vorangegangenen Kapiteln bereits beschriebenen unterschiedlichen Yoga-Pfade kann das Brahman nun von den Lebewesen erkannt und die Verstrickung mit der prakṛti durch dieses Wissen für immer durchbrochen werden.


Kapitel 14: Guṇa-Traya-Vibhāga-Yoga

(Die drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur. Yoga durch das Verstehen der drei guṇas) – 27 Ślokas

Dieses Kapitel behandelt die elementaren Eigenschaften der materiellen Energie, durch die sie den Formenreichtum des Universums entfaltet. Śrī Kṛṣṇa erläutert Arjuna, das alles Materielle auf die drei guṇas zurückzuführen ist, die so genannten ›materiellen Erscheinungsweisen‹. In ähnlicher Weise, wie sich die unendliche Zahl der Farbschattierungen des Regenbogens auf lediglich drei Grundfarben zurückführen lässt, so ist jedes Ding und jedes Ereignis im materiellen Universum das Resultat eines bestimmten Verhältnisses der drei guṇas zueinander. Diese Erscheinungsweisen sind sattva-guṇa (Tugend und Reinheit), rajo-guṇa (Leidenschaft und Aktion) sowie tamo-guṇa (Dunkelheit und Unwissenheit). Je nachdem, in welchem Maße die individuelle Seele von diesen drei materiellen Qualitäten bedeckt ist, resultieren für das Lebewesen daraus bestimmte Konsequenzen.
Ein Wesen, dessen Existenz von tamo-guṇa beherrscht wird, befindet sich in einem Zustand geistiger Umnachtung. Es ist von höherem Wissen praktisch vollkommen getrennt und führt ein Leben, das zum großen Teil von niederen Instinkten und animalischen Trieben geprägt ist. Stumpfsinn und Trägheit sind weitere Merkmale eines solchen Daseins. Da ein Lebewesen unter diesen Umständen nicht in der Lage ist, sich als spirituelles Wesen in einem größeren Zusammenhang zu begreifen, ist es dazu gezwungen, seine Existenz auf einem sehr primitiven Niveau zu fristen. Wenn es im Laufe seines Lebens keine äußeren Impulse erhält, die dazu führen, dass sich das Verhältnis der guṇas positiv verändert, so droht ihm nach seinem Tod eine Wiedergeburt in einer niedrigen Existenzform, zum Beispiel in einem Tierkörper, oder gar der Abstieg auf einen der höllischen Planeten.
Ein Geschöpf, dessen Leben von rajo-guṇa dominiert ist, ist sehr auf die Befriedigung seiner körperlichen und geistigen Sinne fixiert und richtet sein allgemeines Handeln auf dieses Ziel aus, wodurch es karma, also fruchtbringende Tätigkeiten, ausführt. Diese Ausrichtung ist nicht nur für Tiere typisch, sondern kann auch bei vielen Menschen beobachtet werden, die überwiegend aus selbstsüchtigen Motiven heraus handeln, um zum Beispiel materiellen Besitz, soziales Ansehen oder große Macht zu erwerben. Diese Ziele sind in der menschlichen Existenzform und auf den mittleren Planeten besonders leicht zu erreichen, weshalb ein Wesen, das in erster Linie von Leidenschaft beherrscht ist, nach seinem Tod mit großer Wahrscheinlichkeit unter diesen Umständen wiedergeboren wird.
Ist sattva-guṇa die vorherrschende materielle Erscheinungsweise, so ist das eigene Handeln sehr rein und tugendhaft. Der Geist ist in der Lage, höheres Wissen zu erlangen, und mit Hilfe des klaren Verstandes gelingt es einem, die eigenen Lebensumstände in einer Weise zu gestalten, die zu intensivem persönlichen Glück führt. Zwar kann ein tugendhafter Lebenswandel dazu beitragen, spirituelle Fortschritte zu machen, doch besteht die Gefahr, dass sich der Wunsch entwickelt, den Zustand irdischen Glücks dauerhaft genießen zu können. Daher führt auch die Vorherrschaft von sattva-guṇa allein nicht aus dem leidvollen Kreislauf der Wiedergeburten heraus, sondern hat im günstigsten Fall eine zukünftige Existenz auf einem der paradiesischen himmlischen Planeten zur Folge, die sich aber immer noch im Bereich des vergänglichen materiellen Universums befinden.
Wie auch schon in vorangegangenen Kapiteln erklärt Kṛṣṇa Arjuna schließlich, wie es möglich ist, durch spirituelle Erkenntnis, materielle Entsagung und hingebungsvollen Dienst die Bedeckung durch die guṇas zu überwinden, dem irdischen Leid zu entkommen und das höchste Ziel zu erreichen.


Kapitel 15: Puruṣottama-Yoga

(Der yoga der Höchsten Person. Yoga durch das Verstehen der höchsten Persönlichkeit Gottes) – 20 Ślokas

Śrī Kṛṣṇa vergleicht die materielle Welt in diesem Kapitel mit einem Banyanbaum, dessen Äste und Wurzeln in alle Richtungen wachsen, so wie die Lebewesen innerhalb des Kreislaufs der irdischen Existenzen aufgrund ihrer Wünsche mal in höheren und mal in niederen Lebensformen wiedergeboren werden. Dieser Kreislauf kann nur durchbrochen werden, wenn das Lebewesen seine höhere Bestimmung erkennt und die Anhaftung an seine materiellen Wünsche aufgibt. Solange es dem Einfluss seiner körperlichen Sinne unterworfen ist, muss es aufgrund der vergänglichen Natur irdischer Freuden leiden. Durch die Bedeckung mit materieller Energie ist es sehr schwer, das eigene transzendentale Selbst wahrzunehmen, aber durch spirituelle Läuterung ist es möglich, die Fähigkeit dazu zu entwickeln. Diese Fähigkeit führt das Lebewesen aus dem Zustand von kṣara (fehlbar) auf die Ebene von akṣara (unfehlbar). Gott befindet sich hingegen jenseits von kṣara und akṣara. Er wird daher Puruṣottama, die allerhöchste Person, genannt. Er beherrscht und durchdringt die gesamte materielle Welt als Paramātmā, die Überseele. Er ist der Schöpfer, Bewahrer und Zerstörer des irdischen Daseins aller Lebewesen, und durch Seine Gegenwart erhalten die Geschöpfe Zugang zu spirituellem Wissen sowie die Möglichkeit, die eigene wahre Natur zu erkennen. Sein eigentlicher Aufenthaltsort befindet sich aber jenseits der vergänglichen materiellen Welt in Seinem ewigen transzendentalen Reich, dessen Herrlichkeit selbst die Pracht der Sonne und des Mondes noch übertrifft. Wenn man durch vollkommene spirituelle Verwirklichung in dieses Reich gelangt ist, muss man nie wieder in die leidvolle materielle Welt zurückkehren.


Kapitel 16: Daivāsura-Sampada-Yoga

(Die göttlichen - und die dämonischen Naturen. Unterscheidung von heiligen und dämonischen Eigenschaften) – 24 Ślokas

Nachdem Kṛṣṇa in den vorangegangenen Kapiteln ausführlich die Eigenschaften eines reinen Gottgeweihten beschrieben hat, dessen tugendhafte Lebensführung ihn schließlich aus der Knechtschaft der Materie befreit, beschreibt der höchste Herr in diesem Kapitel die Eigenschaften von Lebewesen, die der materiellen Energie vollkommen verfallen sind und unter ihrem Einfluss zu Lasterhaftigkeit und Sünde neigen. Solche Lebewesen werden Dämonen (asuras) genannt. Da Dämonen vollkommen von Unwissenheit (avidyā) bedeckt sind, besitzen sie kein Bewusstsein für ihre eigentliche transzendentale Natur und lehnen die Existenz Gottes und jeder anderen nicht-materiellen Realität ab. Sie verstehen die Welt ausschließlich in ihrer stofflichen Erscheinungsform und streben daher in erster Linie nach materiellem Wohlstand und Genuss. Ihre Wahrnehmung ist sehr stark auf die körperlichen Sinne ausgerichtet, weshalb für sie die Befriedigung ihrer Sinne das größte Glück bedeutet. Da in der materiellen Sphäre alle Erfahrungen aber nur von vorübergehender Natur sind, können Dämonen niemals Frieden finden und sind fortwährend dazu gezwungen, die vergangene Freude durch eine neue zu ersetzen. So entsteht ein teuflischer Kreislauf aus Begierde und Enttäuschung, der dazu führt, dass Dämonen in ihrer verzweifelten Lage zu immer tugendloseren Mitteln greifen müssen, um sich das Gefühl der Befriedigung zu verschaffen. In dieser Weise sinken sie moralisch immer tiefer hinab und müssen nach ihrem Tode wieder in einer neuen dämonischen Lebensform erscheinen. Entsprechend ihres karma geraten sie so schließlich auf die höllischen Planeten.
Dämonen sind unter anderem gekennzeichnet durch Habgier, Genusssucht, Machtstreben, Hochmut, Unreinheit, schlechtes Benehmen, Hartherzigkeit, Zorn und Verlogenheit. Wenn sie manchmal tugendhaft oder gar religiös erscheinen mögen, so tun sie dies aus reiner Heuchelei und mit dem Wunsch, auf diese Weise vor allem einen Vorteil für sich selbst zu erlangen. Ihr großer Fehler besteht dabei darin, dass sie die Regeln der heiligen Schriften bezüglich tugendhaften und religiösen Verhaltens missachten. Śrī Kṛṣṇa betont zum Ende des Kapitels die Notwendigkeit, die heiligen Regeln der Schriften zu achten und zu befolgen, um dem Übel von Lust, Zorn und Gier zu entkommen.


Kapitel 17: Śraddhā-Traya-Vibhāga-Yoga

(Die verschiedenen Arten des Glaubens. Yoga durch die Unterscheidung der drei Arten des Glaubens) – 28 Ślokas

Arjuna leitet dieses Kapitel mit der Frage ein, unter dem Einfluss welcher materiellen Energie Menschen ihren Glauben praktizieren, die nicht den Grundsätzen der vedischen Schriften folgen. Kṛṣṇa antwortet darauf, dass der individuelle Glaube eines Menschen von dessen Bewusstseinszustand abhängig ist und er den persönlichen Zielen und Wünschen entsprechend verschiedenen Objekten der Verehrung zugeneigt ist. Auch die Art und Weise, in der sich ein Mensch dem verehrten Objekt zuwendet, wird von diesen Faktoren bestimmt. Wie die drei materiellen Erscheinungsweisen (guṇas) das Verhalten eines Menschen beeinflussen können, erläutert Kṛṣṇa exemplarisch anhand der Speisen, der Opferhandlungen, der Entsagungen und der wohltätigen Spenden einer Person. Schließlich betont Kṛṣṇa aber, dass man die eigenen spirituellen Handlungen losgelöst von materiellen Wünschen und Zielen im Einklang mit den Anweisungen der heiligen Schriften ausführen soll. Hierbei spielen die transzendentalen Silben oṁ, tat und sat eine bedeutende Rolle, da sie die Grundlage der Veden und der in ihnen beschriebenen Opferrituale bilden. Alle religiösen Handlungen, die dagegen ohne festen Glauben ausgeführt werden, bleiben ohne Wirkung für das eigene Schicksal und sind vergeblich.


Kapitel 18: Mokṣa-Yoga

(Der Yoga der Befreiung. Schlußfolgerung - die Vollkommenheit der Entsagung) – 78 Ślokas

Zu Beginn dieses letzten Kapitels der Bhagavad-gītā kehrt Arjuna noch einmal auf die grundlegende Frage der Entsagung zurück, die zuvor bereits im fünften Kapitel ausführlich besprochen wurde. Kṛṣṇa betont daraufhin, dass unter Entsagung nicht das Aufgeben jeder Art von Tätigkeit zu verstehen ist, sondern die Loslösung von der Erwartung eines persönlichen Vorteils als Ergebnis des eigenen Handelns. Insbesondere religiöse Handlungen wie das Darbringen von Opfern, wohltätiges Spenden und das Fasten dürfen nicht vernachlässigt werden, da sie letztlich die Grundlage spiritueller Verwirklichung darstellen. Aber auch die alltäglich notwendigen Tätigkeiten für den Lebensunterhalt soll man als verpflichtend betrachten und ohne Abneigung oder Anhaftung ausführen, worauf Kṛṣṇa bereits im dritten Kapitel hingewiesen hatte.
Im weiteren Verlauf erläutert Kṛṣṇa den ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Bewusstsein eines Menschen, dessen daraus resultierenden Handlungen und den Folgen dieses Handelns. Die fünf für das Handeln wesentlichen Komponenten sind zunächst das handelnde Lebewesen selbst, seine Sinne, sein physischer Körper, die Art seines Bemühens sowie die Präsenz Gottes als Überseele im Leib des Lebewesens. Je nach Grad der Bedeckung des Bewusstseins eines Lebewesens durch die materiellen Erscheinungsweisen ist dessen Wissen bezüglich der Nützlichkeit und der Konsequenzen des eigenen Handelns unterschiedlich ausgeprägt.
Unter dem Einfluss der Erscheinungsweise der Tugend (sattva-guṇa) begreift ein Mensch die Vergänglichkeit weltlichen Erfolgs und ist daher frei von Anhaftung an die Ergebnisse seines Handelns. So bleibt er auch in Anbetracht von Misserfolgen gelassen und kann zwischen richtigen und falschen Zielen unterscheiden. Er erkennt die höhere, transzendentale Natur aller Lebewesen und hat sein Streben in erster Linie auf spirituelle Selbstverwirklichung ausgerichtet. Dominiert die Erscheinungsweise der Leidenschaft (rajo-guṇa), so glaubt dieser Mensch, er besäße die Gabe, sein Schicksal unabhängig von der Macht Gottes kontrollieren zu können. Geleitet von dem Wunsch nach Befriedigung seiner Sinne bemüht er sich dementsprechend, die materielle Welt für seine persönlichen Zwecke zu benutzen. Daraus folgt die zeitweilige Freude am Erfolg seiner Handlungen ebenso wie die Frustration im Falle seines Scheiterns. Geblendet von der Anziehungskraft seiner materiellen Ziele lässt sich dieser Mensch selbst zu tugendlosem Verhalten hinreißen. Befindet sich ein Lebewesen dagegen vor allem unter dem Einfluss der Erscheinungsweise der Unwissenheit (tamo-guṇa), dann hat es den Sinn für die Vergänglichkeit der Welt und für die ursprüngliche spirituelle Natur des Lebens vollkommen verloren und ist den Kräften der materiellen Energie gänzlich ausgeliefert. Es handelt ohne jegliche höheren Ambitionen und ausschließlich mit dem Ziel der vorübergehenden Befriedigung seiner materiellen Bedürfnisse, wobei es dabei selbst den Schaden anderer Lebewesen oder seines eigenen Lebensraumes in Kauf nimmt. Schließlich verstrickt es sich derart in die negativen Folgen seines Handelns, dass seine gesamte Existenz von Trübsinn und Kummer beherrscht wird.
Kṛṣṇa erklärt Arjuna in diesem Zusammenhang, wie die menschliche Gesellschaft aufgrund der unterschiedlichen Qualifikationen ihrer Mitglieder – die durch den Grad ihrer jeweiligen materiellen Bedeckung bestimmt sind – in vier verschiedene Klassen (varṇās) aufgeteilt wird. Diese Klassen oder Kasten sind die der brāhmaṇas (Priester), kṣatriyas (Fürsten und Krieger), vaiśyas (Bauern und Händler) sowie śūdras (Arbeiter), und jeder dieser Klassen sind bestimmte Tätigkeitsbereiche zugeordnet. Die jeweilige Arbeit, die durch die Zugehörigkeit zu einer Klasse bestimmt ist, in einer Haltung der Pflichterfüllung auszuführen, ohne dabei nach einem anderen gesellschaftlichen Status zu streben, gilt als ideales Verhalten auf dem Weg der Selbstverwirklichung. Diese Form der Entsagung führt gemeinsam mit einem frommen Lebenswandel zur Erkenntnis der höchsten Wirklichkeit und schließlich zur ewigen Gemeinschaft mit Gott. Kṛṣṇa appelliert an Arjuna, in diesem Bewusstsein die Zweifel an der Richtigkeit seiner Aufgabe zu überwinden und in der bevorstehenden Schlacht zu kämpfen, da es seine standesgemäße Pflicht ist, die ihm aus der Natur seiner Persönlichkeit erwächst und die ihm schließlich hilft, das letzte Ziel zu erreichen.
Kṛṣṇa beendet Seine Offenbarung mit dem Preisen der Bhagavad-gītā, die für alle, die sich mit ihr befassen, einen Segen darstellt. Schließlich bestätigt Arjuna, dass nun all seine Zweifel zerstreut sind und er jetzt den Anweisungen des Herrn entsprechend handeln wird.

THE END
18 Kapitel = 700 Ślokas

 


 

Die früheren Ereignisse, die zur Schlacht von Kurukṣetra führten


König Śāntanu war ein berühmter und einflussreicher Regent der Kuru-Dynastie. Er war auch sehr ritterlich und tugendhaft. Seine Gemahlin, Gaṅgā-devī, gebar einen Sohn mit dem Namen Bhīṣma, der ein Bestandteil des achten Vasu war. Aufgrund besonderer Umstände verschwand sie allerdings nach der Geburt des Kindes. Später, als sich Mahārāja Śāntanu auf einem Jagdausflug befand, sah er im Haus von Dāsarāja, dem König der Niṣādas, eine unvergleichlich schöne Prinzessin namens Satyavatī. Diese Prinzessin war vom Samen des Uparicara Vasu aus dem Leib eines Fisches geboren worden, und der König von Niṣāda hatte sie genährt und aufgezogen, als wäre sie seine eigene Tochter gewesen.

Mahārāja Śāntanu bat den König um die Erlaubnis, Prinzessin Satyavatī heiraten zu dürfen, und Niṣādarāja stimmte unter der Bedingung zu, dass das Kind, das von ihrem Leib geboren würde, der ausschließliche Thronerbe von Śāntanus Königreich werden würde. Mahārāja Śāntanu konnte diese Bedingung allerdings nicht annehmen und kehrte in seine Hauptstadt zurück. Als Prinz Bhīṣma davon erfuhr, wollte er den Wunsch seines Vaters erfüllen, daher legte er das hohe Gelübde ab, sein Leben lang Brahmacārī und somit ehelos zu bleiben, um sicherzustellen, dass der Sohn Satyavatīs wirklich das Königreich erben würde. So konnte Śāntanu Satyavatī heiraten und gab Bhīṣma als Belohnung eine Segnung, durch die er die Art seines Todes selbst bestimmen können würde. Satyavatī schenkte Mahārāja Śāntanu zwei Söhne, die Cītrāngada und Vicitravīrya hießen.

Nach König Śāntanus Tod wurde Cītrāngada von Bhīṣma zum Thronfolger gemacht, doch aufgrund des frühzeitigen Todes von Cītrāngada übernahm Vicitravīrya die Regentschaft. Vicitravīrya, der zwei Gemahlinnen mit Namen Ambikā und Ambalikā hatte, starb ebenfalls noch recht jung, ohne Vater geworden zu sein. Nicht nur der Verlust ihrer Söhne schmerzte Mutter Satyavatī, es sorgte sie auch die Tatsache, dass die Dynastie nun ohne Erben war. Sie rief ihren ersten Sohn Maharṣi Vedavyāsa durch die Kraft ihrer Gedanken herbei. Auf ihre Anweisung hin und mit Altvater Bhīṣmas Einverständnis bekam Vedavyāsa von Vicitravīryas Ehefrauen Söhne, um die Dynastie zu schützen. Ambikā gebar Dhṛtarāṣṭra, Ambalikā gebar Pāṇḍu, und der heilige Vidurajī wurde von Vicitravīryas Magd geboren.

Dhṛtarāṣṭra war von Geburt an blind, daher wurde sein jüngerer Bruder Pāṇḍu zum König ernannt. Mahārāja Pāṇḍu war ein ritterlicher und einflussreicher Herrscher, und er war mit allen guten Eigenschaften ausgestattet. Er hatte fünf Söhne, von denen Yudhiṣṭhira der älteste war. Dhṛtarāṣṭra hatte einhundert Söhne, unter denen Duryodhana der älteste war. Über die Zeit starb König Pāṇḍu, während die Prinzen noch sehr jung waren, daher wurde Dhṛtarāṣṭra von Altvater Bhīṣma inthroniert und erhielt die Verantwortung für den Schutz des Königreiches, bis die Prinzen älter sein würden.

Als die fünf Pāṇḍavas und die Söhne Dhṛtarāṣṭras, deren Haupt Duryodhana war, älter wurden, gab es einen heftigen Streit über die Nachfolge auf den königlichen Thron. König Dhṛtarāṣṭra bevorzugte seine Söhne, und wünschte, dass Duryodhana König würde, koste es, was es wolle. Allerdings konnte der höchst tugendhafte Altvater Bhīṣma dies aufgrund des Druckes seitens angesehener Persönlichkeiten und Bürger nicht zulassen. Duryodhana, der aus einem Bestandteil Kalis geboren war, war von Natur aus äußerst bösartig und tugendlos, und er wollte das Reich für sich selbst und ohne jeden Widerspruch haben. Um dies zu erreichen, bildete er mit geheimer Einwilligung Dhṛtarāṣṭras eine Reihe von Verschwörungen, um die Pāṇḍavas zu töten.

Trotz wiederholter Gesuche seitens Maharṣi Vedavyāsa, Altvater Bhīṣma, Meister Droṇācārya, des heiligen Vidura und anderer, verweigerte Dhṛtarāṣṭra den Pāṇḍavas ihre rechtmäßige Hälfte des Reiches. Dennoch krönte er Prinz Yudhiṣṭhira dem äußeren Schein nach zum König des halben Reiches und schickte ihn daraufhin in die kürzlich errichtete Stadt Vāraṇāvat. Duryodhana hegte den Plan, sämtliche Pāṇḍavas dort durch einen Brand im neu gebauten Palast zu töten. Obwohl Dhṛtarāṣṭra diesem frevelhaften Plan zustimmte, wurden die Pāṇḍavas durch den Willen des Höchsten Herrn auf wundersame Weise gerettet.

Nach geraumer Zeit ehelichten die Pāṇḍavas Draupadī. Als Duryodhana erfuhr, dass sie noch am Leben waren, beriet er sich erneut mit seinem Vater und lud sie nach Hastināpura ein. Auf Anweisung von Altvater Bhīṣma und anderen Älteren sowie auf die Bitte der Untertanen hin wurde den Pāṇḍavas die Herrschaft über Khāndavaprastha (Indraprastha) gewährt. Dort errichteten die Pāṇḍavas mit der Hilfe von Śrī Kṛṣṇa und dem Dämonen namens Maya eine wunderbare Stadt mit einem herrlichen Palast. In kurzer Zeit besiegten sie all die mächtigen Könige Indiens und führten eine große Rājasūya-Zeremonie durch.

König Dhṛtarāṣṭra und Duryodhana wurden aufgrund dieses Opferrituals äußerst eifersüchtig auf die Pāṇḍavas und verschworen sich, sie in einem Würfelspielwettkampf zu besiegen. Sie nahmen den Pāṇḍavas ihr gesamtes Reich und zwangen sie, sich für zwölf Jahre ins Exil zu begeben und danach noch ein weiteres Jahr unerkannt zu bleiben. Doch selbst nach dieser langen Zeit der Prüfung gaben Dhṛtarāṣṭra und Duryodhana den Pāṇḍavas ihr Reich nicht zurück. Daraufhin ging Śrī Kṛṣṇa persönlich als Fürsprecher der Pāṇḍavas nach Hastināpura und überbrachte deren Bitte, dass Duryodhana ihnen doch wenigstens fünf Dörfer geben solle. Doch Duryodhana blieb trotzdem starrsinnig und kompromisslos und entgegnete Kṛṣṇa, dass er den Pāṇḍavas nicht genug Land geben würde, auf dem die Spitze einer Nadel Platz fände, ganz zu schweigen von fünf Dörfern. Es sei denn, sie besiegten ihn in einer Schlacht.

Der Höchste Herr Śrī Kṛṣṇa war erschienen, den Pfad spiritueller Lebensführung zu verkünden, die Heiligen zu schützen und die Dämonen zu vernichten. Im Verlauf der Schlacht, wie sie im Mahābhārata beschrieben ist, gebrauchte Er Arjuna und Bhīma als Werkzeuge, um Ihm bei Seinem Vorhaben behilflich zu sein, die Erde von der schweren Bürde zu befreien, die auf ihr lastete.

Lotus - Sri Isopanisad