- Christus, Krischto, Kṛṣṇa -    
Original Version - Erste Auflage 1975
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von Seiner Göttlichen Gnade A.C Bhaktivedanta Swami Prabhupāda

Gründer und ācārya der Internationalen Gesellschaft für Kṛṣṇa-Bewußtsein


Christus Krischto Krishna Krnsa

Vorwort .................................................................... 7

Zen, christliche Lehre und Kṛṣṇa-Bewußtsein ............... 9

Morgenspaziergang .................................................. 45

Von Christus zu Kṛṣṇa ............................................... 49

Das Chanten der heiligen Namen Gottes in der Bibel ... 58

Die Prinzipien des Gottesbewußtseins ........................ 74

Die Friedensevangelien .............................................. 81

Wie man meditiert .................................................. 113

Anhang .................................................................. 119


 

Morgenspaziergangam 29. Juni 1974
in der Umgebung von Schloß Rettershof/i. Ts.

Śrīla Prabhupāda wird begleitet von Graf Dürckheim, Hansadutta dāsa Adhikārī und anderen Schülern.

Śrīla Prabhupāda: Ich fragte die Theologen nach dem Namen Gottes. Welches Argument spricht dagegen, den Namen Gottes anzunehmen?

Graf Dürckheim: Ich weiß nicht.

Hansadutta: Der Theologieprofessor Pater Porsch sagte, Gott habe keinen Namen. Sein Argument war, daß Gott andernfalls Person wäre.

Śrīla Prabhupāda: Ich sagte mit Nachdruck: „Wenn Gott keinen Namen hat, warum sagt dann Jesus Christus: „Geheiligt werde Dein Name? "

Graf Dürckheim: Er erklärte vom Standpunkt des Theologen aus, daß Moses Gott nach Seinem Namen gefragt habe, worauf Gott keinen Namen angab, sondern antwortete: „Ich bin, der Ich bin." Er sagte weiter, die Theologen benutzten die Aussage „Geheiligt werde Dein Name", um einen direkten Namen Gottes zu vermeiden.
Aber eigentlich verstehe ich das Ganze nicht, weil das Wort „Gott" allein doch schon ... ich meine, was brauchen wir mehr? Und ich meine, daß in der christlichen Religion jeder, der das Wort „Gott" sagt, der Meinung ist, das Wort „Gott" sei bereits der Name und es werde nichts weiteres gebraucht.

Śrīla Prabhupāda: Wenn die Anrede „Präsident von Amerika" ausreicht, warum sprechen wir dann von „Mr. Nixon"? Es wird mehr von „Mr. Nixon" gesprochen als vom „Präsidenten von Amerika"!

Graf Dürckheim: Gewiß.

Śrīla Prabhupāda: Dieses  Argument  können  wir  also  nicht  gelten  lassen,  meine  ich.  Wenn  Jesus  sagt: „Geheiligt werde Dein Name", dann gibt es einen Namen. Der Name war schon da, daher brauchte er ihn nicht noch einmal zu wiederholen. Kṛṣṇa, Viṣṇu, Govinda - es gibt Tausende und Abertausende von Namen. Also nehmen Sie einen und chanten Sie ihn. - Sie aber sagen, daß es keinen Namen gibt. Wer sind wir, die wir den Namen Gottes chanten? Sind wir Dummköpfe und Halunken? Wenn Jesus bestätigt, daß es einen Namen gibt, und wenn wir den Namen Gottes chanten, wie können Sie sagen, daß es keinen Namen gibt?

Graf Dürckheim: Ich begreife gut, was Sie meinen.

Śrīla Prabhupāda: Der Name ist da, das ist bestätigt: „Geheiligt werde Dein Name", und wir chanten diesen Namen.

Graf Dürckheim: Ich habe keinen Einwand.

Śrīla Prabhupāda: Ich meine nicht Sie, ich meine jeden. Sollen sie diejenigen, die den Namen Gottes, Kṛṣṇas, chanten, untersuchen und herausfinden, ob sie Fortschritte machen und sich verbessern oder nicht. Wir müssen es ganz praktisch sehen. Bevor ich in die westliche Welt kam, waren diese Jungen und Mädchen ... ich möchte nicht näher darauf eingehen -, aber nun chanten sie den heiligen Namen Gottes. Es ist erstaunlich, in welchem Maße sie sich positiv verändert haben. Was ist gegen das Chanten des heiligen Namens einzuwenden, und was kann man dabei verlieren? Wenn jeder den Hare-Kṛṣṇa-mantra chanten würde -, es wäre kein Verlust, sondern ein Gewinn.

Graf Dürckheim: Ich sehe.

Śrīla Prabhupāda: Warum  stimmen  die  Theologen  nicht  zu,  den  Namen  Gottes  zu  chanten,  es  ist  die einfachste Sache der Welt?

Graf Dürckheim: Ich glaube, sie wissen es nicht.

Śrīla Prabhupāda : Und dennoch sind sie Theologen und Philosophen. Sie besitzen kein Wissen, aber sie sind Lehrer - das ist der Fehler der modernen Zivilisation. Obwohl jemand nicht qualifiziert ist, darf er andere belehren.

Graf Dürckheim:  Die  heutige  Theologie  ist  eine  Ansammlung  trockener,  zu  Stein  gewordener Interpretationen ursprünglicher Ergebnisse. Und weil sie erstarrt sind, hat die Theologie unserer Generation nichts zu sagen.

Śrīla Prabhupāda: Viele meiner Schüler waren zuvor Theologen. Wir bitten nur jeden anzuerkennen, daß die Bibel bestätigt, daß es einen Namen Gottes gibt. Und selbst wenn die meisten Menschen den Namen nicht kennen - hier ist er: „Kṛṣṇa!" Warum nehmen sie ihn nicht?
Wenn sich der Wert des Chantens ganz praktisch nachweisen läßt, warum haben die Theologen Einwände? Warum bleiben sie sektiererisch und halsstarrig? Gerade Theologen sollten keine Sektierer sein! Laßt die ganze Welt Hare Kṛṣṇa, die Namen Gottes, chanten - es ist kein Verlust, sondern nur Gewinn. Und da Sie Bücher schreiben, Herr Graf, möchte ich Sie bitten aufzuzeigen, daß es der Aussage Christi widerspricht, wenn man sagt, Gott habe keinen Namen. Sie sollten schreiben, daß der Name gegeben ist, daß wir ihn  chanten und Nutzen daraus ziehen, und daß wir nichts dafür wollen, keine Bezahlung.

Graf Dürckheim: In der orthodoxen Kirche chanten die Gläubigen auch den Namen, sie chanten den Namen Jesu, den sie ständig und immer wieder wiederholen.

Śrīla Prabhupāda: Aber Jesus sagte: „Geheiligt werde Dein Name." Er sagte nie: „Chantet meinen Namen". Kein Ehrenmann sagt so etwas. Er sagte: „Geheiligt werde Dein Name". - Warum sind die Theologen sektiererisch? Der Name ist bereits da - warum preisen sie ihn nicht?

Hansadutta: Es gibt in der Bibel viele Stellen, die sich auf den heiligen Namen beziehen.

Graf Dürckheim: Die Juden z. B. haben den Namen Jehowa, aber sie chanten ihn nicht.

Śrīla Prabhupāda: Dann sind sie nicht gehorsam.
(Nach einer Weile) Das Śrīmad-Bhāgavatam, das bedeutendste Buch der Veden, umfaßt 18 000 Verse, und in jedem Vers werden Sie Wissen über Gott finden. Wenn Sie einen Vers wirklich studieren wollen, werden Sie mindestens einen Monat in Anspruch genommen sein. Man muß also wenigstens 18 000 Monate leben, um das gesamte Werk zu lesen. Wie viele Jahre sind das?

Schüler: 1500 Jahre.

Śrīla Prabhupāda: Was wissen die Theologen also, wenn sie schon 1500 Jahre brauchen, nur das Bhāgavatam zu studieren? Wir haben für 1500 Jahre Weisheit vorliegen, was also können wir von ihnen lernen?
Kṛṣṇa ist der Ursprung zahlloser Erweiterungen - advaitam acyutam anādim ananta rūpam.1  Ananta bedeutet „zahllos". Ein Vers stellt nur einen Aspekt Kṛṣṇas dar, und Gott hat unzählige Aspekte. Wenn jemand in Ruhe das Śrīmad-Bhāgavatam lesen würde, wäre er in vollem Bewußtsein über Gott. Auch ein Gelehrter liest nicht nur ein Buch, um das Thema seiner Forschung zu verstehen. Daher sollten alle, die ernsthaft darum bemüht sind, Gott zu erkennen, sich nicht nur auf eine bestimmte Schrift beschränken, sondern alle Schriften prüfen, ob sich weitere Informationen über Gott finden lassen. Wir können z. B. manchmal die Bibel zitieren, doch die Christen können keine Zitate aus der Bhagavad-gītā oder dem Bhāgavatam bringen - sie kennen nicht einmal ihre eigene Schrift! Ist es nicht so? Und dennoch geben sie sich als Lehrer aus und geben  vor, von Gott Verständnis zu haben. Die sechs Gosvāmīs von Vṛndāvana, uns vorangegangene gurus in der Nachfolge der geistigen Meister, waren große Gelehrte. Sie studierten die verschiedenen Schriften, um die Essenz zu finden und sie den Menschen mitzuteilen. Ihr Leben war dem Wohl der gesamten menschlichen Gesellschaft geweiht.
- Sie schliefen nicht mehr als zwei Stunden am Tag. Sie hatten nichts mit Leuten gemein, die von Menschenfreundlichkeit und Humanität nur reden. Sie gaben ihr Leben - genau wie wir es heute tun - für das Wohl der gesamten Menschheit, nicht für sektiererische Vorstellungen. Daher sind ihre Schriften überall auf der Welt, ja überall im Universum geehrt, genau wie unsere Bücher, die wir überall auf der Welt verteilen - an Universitäten, Hochschulen, an die ernsthaften Menschen.

1 Brahma-saṁhitā 5.33

Graf Dürckheim: Haben Sie eigentlich Verbindung zu Swami ...?

Śrīla Prabhupāda: Ein Vertreter der Unpersönlichkeitslehre. Die gesamte Welt ist heute unpersönlich. - Wir sind die einzigen Persönlichkeitsanhänger.

Graf Dürckheim: Die christlichen Theologen glauben, der Osten sei unpersönlich und die christliche Lehre persönlich.

Śrīla Prabhupāda: Das ist eine falsche Vorstellung. Die meisten Inder z. B. sind Persönlichkeitsanhänger. Erst vor kurzem hat die Philosophie der Māyāvādī oder Unpersönlichkeitsphilosophen ihr Gift verbreitet. Unpersönlichkeitslehre bedeutet spiritueller Selbstmord, - Gott ist eine Person. Es heißt in den Veden: nityo nityānām cetanaś cetanānām - es gibt Millionen von Personen, und Gott ist die höchste Person. Selbst in der modernen Demokratie gibt es zwar keinen König, aber letztlich wird ein Präsident Oberhaupt.

Graf Dürckheim: Ja.

Śrīla Prabhupāda: Ohne eine Person kann es keine Regierung geben. Wenn zur Verwaltung von drei Hektar Land bereits eine Person erforderlich ist, wie kann dann die Verwaltung von Millionen und Abermillionen von Universen ohne persönliche Führung geschehen? Was veranlaßt die Menschen so zu denken? Sie haben es gegenwärtig aufgegeben, die Wissenschaft von Gott zu verstehen. - Das ist der Fehler. » weiter


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