- Christus, Krischto, Kṛṣṇa -    
Original Version - Erste Auflage 1975
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von Seiner Göttlichen Gnade A.C Bhaktivedanta Swami Prabhupāda

Gründer und ācārya der Internationalen Gesellschaft für Kṛṣṇa-Bewußtsein


Christus Krischto Krishna Krnsa

Vorwort .................................................................... 7

Zen, christliche Lehre und Kṛṣṇa-Bewußtsein ............... 9

Morgenspaziergang .................................................. 45

Von Christus zu Kṛṣṇa ............................................... 49

Das Chanten der heiligen Namen Gottes in der Bibel ... 58

Die Prinzipien des Gottesbewußtseins ........................ 74

Die Friedensevangelien .............................................. 81

Wie man meditiert .................................................. 113

Anhang .................................................................. 119


 

Von Christus zu Kṛṣṇa

Śrīla Prabhupāda spricht mit Pater Emmanuel Jungclaussen
vom Benediktinerkloster Niederalteich

Pater Emmanuel: Ich bin Benediktinermönch in einem Kloster in der Nähe von Passau.

Śrīla Prabhupāda: Sie sind römisch-katholisch?

Pater Emmanuel: Ja, ich bin römisch-katholisch, doch ich folge dem Ritus der griechisch-orthodoxen Kirche. Wir haben zwei Riten in unserem Kloster, römisch-katholisch und griechisch-orthodox. Wir haben z. B. auch diesen Rosenkranz ...

Śrīla Prabhupāda: Genau wie wir eine Gebetskette haben.

Pater Emmanuel: Ja. Wir beten ein ständiges Gebet, es heißt: „Herr Jesus Christus, sei uns barmherzig."

Śrīla Prabhupāda: Was bedeutet das Wort „Christus"?

Pater Emmanuel: „Christus" kommt aus dem Griechischen, von „Christos" „der mit Öl Gesalbte", „Christus" ist das gleiche Wort.

Śrīla Prabhupāda: „Christos" ist die griechische Version des Wortes „Kṛṣṇa".

Pater Emmanuel: Das ist sehr interessant!

Śrīla Prabhupāda: Wenn man in Indien nach Kṛṣṇa ruft, sagt man häufig „Krischto"! „Krischto"  bedeutet „Anziehung" - es ist ein Sanskritwort. Diese allesanziehende Person2  ist der Höchste Persönliche Gott, daher ist „Krischto" der Name Gottes. Wenn also Jesus sagte „Unser Vater, der Du bist im Himmel, geheiligt werde Dein Name," dann ist dieser Name Gottes „Krischto" oder „Kṛṣṇa". Was meinen Sie dazu?

Pater Emmanuel: Ich glaube, Jesus, als Sohn Gottes, hat uns den eigentlichen Namen Gottes geoffenbart - wir können Gott „Vater" nennen. Wenn wir Gott aber mit dem eigentlichen Namen anrufen wollen, müssen wir Christus sagen.

Śrīla Prabhupāda: „Christus" ist eine andere Weise, „Krischto" anzurufen, und „Krischto" ist eine andere Form der Aussprache des Wortes „Kṛṣṇa", Gottes Namen. Jesus hat gesagt, daß man den Namen  Gottes lobpreisen soll, gestern jedoch sagte ein Theologe3 Gott habe keinen Namen.

2 Kṛṣṇa - der Allesanziehende
3 Prof. Pater Porsch, vgl. Gespräch mit Graf Dürckheim

Pater Emmanuel: Warum? Wir haben den Namen Gottes. Wir sagen „Gottvater".

Śrīla Prabhupāda: Der Sohn ruft seinen Vater zwar „Vater", doch der Vater hat auch einen Namen. Ebenso ist „Gott" der allgemeine Name, dennoch hat Er auch einen bestimmten Namen: „Kṛṣṇa". Und das wird von Jesus bestätigt. Jesus Christus bedeutet Jesus, der Sohn des Christus oder Kṛṣṇas. Er selbst hat sich als Sohn Gottes bezeichnet. Deshalb, ob Sie Gott „Krischto" oder „Kṛṣṇa" oder „Christus" nennen - es  bleibt  sich letztlich gleich.

Pater Emmanuel: Ja, wenn wir von Gottes eigentlichem Namen sprechen, müssen wir „Christos" sagen.

Śrīla Prabhupāda: „Christos" bedeutet das gleiche wie „Kṛṣṇa".

Pater Emmanuel: Wir kennen den Namen Gottes nur durch Offenbarung, durch Offenbarung durch den Sohn Gottes. Wir haben die Dreifaltigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Der Sohn offenbart den Namen des Vaters, und als Namen, den er offenbart hat, können wir also nur den Namen „Christus" nehmen.

Śrīla Prabhupāda: Es ist im Grunde ganz gleich, Kṛṣṇa oder Christus, der Name ist da, und wir empfehlen entsprechend der Anweisung der vedischen Schriften, in diesem Zeitalter nur den Namen Gottes zu chanten.

Pater Emmanuel: Ja.

Śrīla Prabhupāda: Hare Kṛṣṇa, Hare Kṛṣṇa, Kṛṣṇa Kṛṣṇa, Hare Hare -Hare Rāma, Hare Rāma, Rāma Rāma, Hare Hare.
„Rāma" und „Kṛṣṇa" sind Namen Gottes, und „Hare" ist die Energie Gottes. Wenn wir also chanten, rufen wir Kṛṣṇa oder Rāma zusammen mit Seiner Energie an. Er hat zwei Energien, die spirituelle und die  materielle Energie. Derzeit unterstehen wir der Gewalt der materiellen Energie. Deshalb beten wir zu Kṛṣṇa, Er möge uns gütigerweise vom Dienst für die materielle Energie befreien und uns in den Dienst der  spirituellen Energie aufnehmen - das ist unsere ganze Philosophie. „Hare Kṛṣṇa" bedeutet: „O Energie Gottes, o Gott, Kṛṣṇa, bitte beschäftige mich in Deinem Dienst." Es entspricht unserem Wesen zu dienen. Irgendwie sind wir in den Dienst der materiellen Dinge geraten, doch wenn dieser Dienst in den Dienst für die spirituelle Energie umgewandelt wird, wird unser Leben vollkommen sein. Unsere Philosophie, bhakti-yoga,  besagt, daß wir in jedem Fall dienen  -  ganz  gleich,  ob  wir  Hindus,  Moslems,  Christen,  dieses  oder  jenes  sind,  denn  dies  sind  nur Designationen, d. h. Namen und Bezeichnungen. Wenn wir von Designationen frei werden und allein Gott dienen, können wir von bhakti-yoga sprechen. Wir haben eine christliche, hinduistische, islamische, diese oder jene Religion geschaffen; wenn wir aber zur Religion ohne Designation kommen und uns weder als Hindu, noch als Christ, noch als Moslem, sondern allein als Diener Gottes verstehen, können wir von reiner Religion, können wir von bhakti sprechen.

Pater Emmanuel: Mukti?4

4 Mukti - Befreiung, Erlösung

Śrīla Prabhupāda: Nein, bhakti. Wenn wir von bhakti sprechen ist mukti inbegriffen. Ohne bhakti gibt es keine mukti; wenn man auf der Ebene der bhakti handelt, ist mukti bereits miteinbezogen. Das lernen wir in der Bhagavad-gītā (14.26):

māṁ ca yo 'vyabhicāreṇa
bhakti-yogena sevate
sa guṇān samatītyaitān
brahma-bhūyāya kalpate

„Wer sich völlig im hingebungsvollen Dienen beschäftigt und niemals fehlt, transzendiert augenblicklich die Erscheinungsweisen der materiellen Natur und erreicht somit die Ebene des Brahman."

Pater Emmanuel: Brahman ist nicht Kṛṣṇa?

Śrīla Prabhupāda: Kṛṣṇa ist Parabrahman. Brahman wird in drei Aspekten verwirklicht: als unpersönliches Brahman, als lokalisierter Paramātmā und als persönliches Brahman. Kṛṣṇa ist das persönliche, das Höchste Brahman, denn Gott ist letztlich eine Person. Im Śrīmad-Bhāgavatam (1.2.11) wird dies bestätigt:

vadanti tat tattva-vidas
tattvaṁ yaj jñānam advayam
brahmeti paramātmeti
bhagavān iti śabdyate

„Die Absolute Wahrheit wird von Personen, die die Absolute Wahrheit kennen, (von gelehrten Transzendentalisten) als unpersönliches Brahman, lokalisierter Paramātmā und Bhagavān, der Höchste Persönliche Gott, beschrieben."
Der Aspekt der Höchsten Persönlichkeit ist die endgültige Verwirklichung Gottes. Er ist mit allen sechs Füllen ausgestattet - Er ist der Stärkste, der Reichste, der Schönste, der Berühmteste, der Weiseste und der Entsagungsvollste.

Pater Emmanuel: Ja, ich stimme zu.

Śrīla Prabhupāda: Weil Er absolut ist, ist Sein Name nicht verschieden von Ihm, denn der Name, die Gestalt und die Eigenschaften Gottes sind absolut. Seinen heiligen Namen zu chanten bedeutet daher, mit Ihm zusammenzusein. Wenn man mit Gott zusammen ist, nimmt man göttliche Eigenschaften an, und wenn man völlig geläutert ist, wird man zu einem Gefährten des Höchsten Herrn.

Pater Emmanuel: Doch wir begreifen den Namen Gottes nur auf begrenzte Weise!

Śrīla Prabhupāda: Ja. Wir sind begrenzt, Gott ist unbegrenzt, und weil Er unbegrenzt ist, absolut, hat Er unbegrenzt viele Namen und Energien, und jeder dieser Namen ist Gott. Seine Namen können wir in dem Maße verstehen, wie weit unser Verständnis reicht.

Pater Emmanuel: Erlauben Sie mir eine Frage: Auch wir Christen predigen die Liebe zu Gott, auch wir versuchen die Liebe zu Gott zu finden und Ihm mit ganzem Herzen und ganzer Seele zu dienen. Worin besteht nun der Unterschied zu Ihrer Bewegung, und warum senden Sie Ihre Schüler in westliche Länder, die Liebe zu Gott zu predigen, wenn doch bereits das Evangelium Jesu Christi die gleiche Botschaft verkündet.

Śrīla Prabhupāda: Wenn Sie mir erlauben, möchte ich sagen, daß die Christen den Geboten Gottes nicht folgen. Stimmen Sie dem zu?

Pater Emmanuel: Ja.

Śrīla Prabhupāda: Denn was ist Liebe? Wenn Sie den Anweisungen Gottes nicht Folge leisten, wo ist Ihre Liebe? Deshalb sind wir hierhergekommen - um Sie zu lehren, was Liebe zu Gott bedeutet. „Wenn du mich liebst, kannst du Meinen Anweisungen gegenüber nicht ungehorsam sein, und wenn du ungehorsam bist, ist deine Liebe nicht wahrhaftig."

Besucher: Bedeutet dies, daß das Christentum seine Bräuche ändern muß, oder braucht es nur zu seinem Ursprung zurückzukehren?

Śrīla Prabhupāda: Das trifft nicht nur auf die Christen zu. Überall auf der Welt lieben die Menschen nicht Gott, sondern ihren Hund. Die Bewegung für Kṛṣṇa-Bewußtsein ist daher notwendig, die Menschen zu lehren, die vergessene Liebe zu Gott wiederzuerwecken. Nicht die Christen allein sind angeklagt, sondern ebenso die Hindus, die Moslems und alle anderen. Sie haben sich als Christ, Hindu oder Moslem nur abstempeln lassen, aber sie kennen keinen Gehorsam gegenüber Gott - das ist das Problem.

Besucher: Können Sie genau sagen, in welchen Punkten die Christen nicht gehorsam sind?

Śrīla  Prabhupāda:  Ja.  Der  erste  Punkt  ist,  daß  sie  das  Gebot  „Du  sollst  nicht  töten"  brechen  und Schlachthäuser unterhalten. - Das erste Gebot ist damit übertreten. Stimmen Sie dem zu?

Pater Emmanuel: Persönlich stimme ich dem zu.

Śrīla Prabhupāda: Gut! Wenn die Christen also Gott lieben wollen, müssen sie sofort aufhören, Tiere zu töten.

Pater Emmanuel: Sehen Sie, der wichtigste Punkt ...

Śrīla Prabhupāda: Aber wenn Sie diesen einen Punkt verpassen, haben Sie einen Fehler in der Rechnung. Was immer Sie weiter addieren oder subtrahieren mögen, der Fehler ist in der Rechnung, und alles, was sich darauf aufbaut, ist fehlerhaft.

Pater Emmanuel: Und das hat seine Ursache in der Frage des Tötens?

Śrīla Prabhupāda: Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Das Huhn gibt mit dem Hinterteil Eier und frißt mit dem Schnabel. Der Bauer überlegt nun: „Der obere Teil ist kostspielig, weil ich ihn füttern muß - ich schneide ihn besser ab." Wenn aber der Kopf fehlt, gibt es keine Eier mehr, denn der Körper ist tot. Wenn wir den kostspieligen Teil abtrennen und nur den uns genehmen behalten - solche Interpretation wird uns nicht helfen. Man muß die Anweisung der Schrift nehmen wie sie ist - nicht nur das, was einem gefällt. Wenn der ersten Anweisung „Du sollst nicht töten" nicht Folge geleistet wird - wo ist da die Liebe zu Gott?

Besucher: Die Christenheit bezieht dies nur auf den Menschen, und nicht auf die Tiere.

Śrīla Prabhupāda: Das würde bedeuten, daß Jesus nicht intelligent genug war, das richtige Wort - „morden" - zu gebrauchen. Will jemand das behaupten? Es gibt „töten" und „morden". „Morden" bezieht sich speziell auf Menschen. Sie glauben also, Jesus sei nicht intelligent genug gewesen, das richtige Wort - „morden" - , statt des Wortes „töten" zu gebrauchen? „Töten" bedeutet „jede Art von Töten" und ganz speziell „Tieretöten", andernfalls hätte er das Wort „morden" gebraucht. Und wenn man auf dem Wort „morden" beharren will, bedeutete das, daß er unter Mördern gepredigt hat, für die solche Anweisung nötig war. Kann man das aber sagen? Es waren erstklassige Menschen unter ihnen! Deshalb gab er eindeutige Anweisungen. Interpretationen der von Ihnen vorgetragenen Art können wir nicht gelten lassen!

Pater Emmanuel: Aber das Gebot „Du sollst nicht töten" steht in dieser Form im Alten Testament. Wenn Jesus spricht „Du sollst nicht töten", dann erweitert er es und spricht immer nur in Beziehung dazu, daß der Mensch einen Menschen nicht nur nicht töten darf, sondern auch liebevoll behandeln soll. Die Beziehung zu allen Lebewesen behandelt er gar nicht, sondern er spricht immer nur vom Menschen und meint dieses „Du sollst nicht töten" auch im geistigen, im seelischen Bereich - niemanden beleidigen, niemanden verletzen, schlecht behandeln usw.

Śrīla Prabhupāda: Es geht nicht um dieses oder jenes Testament, sondern darum, daß in den Geboten diese Worte stehen. Wenn Sie diese Worte nach Ihrer Ansicht auslegen wollen, das ist etwas anderes. Wir verstehen die direkte Bedeutung. „Du sollst nicht töten" heißt: Die Christen sollen nicht töten. Interpretationen können Sie in der Ihnen genehmen Weise geben, um so weiterzumachen, aber wir verstehen ganz eindeutig, daß zur Interpretation keine Notwendigkeit besteht. Interpretationen sind nötig, wenn die Dinge nicht klar sind. Aber hier ist es eindeutig: „Du sollst nicht töten!" Es ist eine klare Anweisung! Warum sollen wir interpretieren?

Pater Emmanuel: Ist Pflanzenessen kein Töten?

Śrīla Prabhupāda: Ist Pflanzentöten und Tieretöten dasselbe?

Pater Emmanuel: Nicht dasselbe, aber Tieretöten und Menschentöten ist auch nicht dasselbe.

Śrīla Prabhupāda: Wie können wir also vermeiden zu töten? Die Vaiṣṇava-Philosophie lehrt, nicht  einmal Pflanzen zu töten, denn Kṛṣṇa sagt:

patraṁ puspaṁ phalaṁ toyaṁ
yo me bhaktyā prayacchati
tad ahaṁ bhakty-upahṛtam
aśnāmi prayatātmanaḥ

„Wenn jemand Mir mit Liebe und Hingabe ein Blatt, eine Blume, eine Frucht oder ein wenig Wasser opfert, werde Ich es annehmen." (Bg. 9.26)
Wir opfern also Kṛṣṇa die Nahrung, die Er von uns verlangt und nehmen nur die Überreste. Wenn also das Opfern vegetarischer Nahrung eine Sünde ist, dann ist das  Kṛṣṇas Sünde, nicht unsere. Aber Gott ist apāpa vijña, sündhafte Reaktionen gibt es für Ihn nicht. Die  Sonne z. B. ist so mächtig, daß sie sogar Urin absorbieren kann - für Sie ist das nicht möglich. Oder der König - wenn er befiehlt, einen Mörder zu hängen, untersteht er nicht dem Gesetz, ebenfalls gehängt zu werden, weil er sehr mächtig ist. Wenn dagegen ein gewöhnlicher Mensch jemanden tötet, wird er dafür gehängt. Wenn in einem Kampf der Kommandeur den Befehl gibt zu töten, verleiht man dem gehorsamen Soldaten einen Orden. Wenn derselbe Soldat aber aus eigenem Gutdünken tötet, wird er bestraft. Deshalb sagt Kṛṣṇa: „patraṇ puspaṁ ... " „Opfere Mir diese Frucht, dieses Gemüse, Ich werde es essen", und wir verzehren die Reste hinterher als prasāda5; wir begehen keine Sünde dabei. Daher heißt es auch in der Bhagavad-gītā (3.13):

yajña-śiṣṭāsinaḥ santo
mucyante sarva-kilbiṣaiḥ
bhuñjate te tv agham pāpā
ye pacanty ātma-kāraṇāt

„Die Geweihten des Herrn werden von allen Sünden befreit, denn sie nehmen nur Nahrung zu sich, die zuvor als Opfer dargebracht wurde. Andere, die Nahrung zu ihrer eigenen Sinnenfreude zubereiten, essen wahrlich nur Sünde."

5 prasāda - sanskr. „die Gnade Gottes"

Pater Emmanuel: Und Kṛṣṇa kann nicht die Erlaubnis geben, Tiere zu essen?

Śrīla Prabhupāda: Doch - im Reich der Tiere! In der Natur ist das Gras Nahrung für die Kuh, und die Kuh ist Nahrung für den Menschen, aber nicht für den zivilisierten Menschen, für den religiösen Menschen, sondern für den grausamen Menschen. Das Beispiel des vollkommenen Menschen ist uns gegeben. Wenn Sie keine Tiere töten und den Namen „Christus" chanten, wird alles vollkommen werden.
Ich bin nicht gekommen, Sie zu belehren, sondern Sie zu bitten, den Namen Gottes zu chanten. Auch die Bibel fordert Sie dazu auf. Seien Sie also so freundlich und tun Sie das - das ist alles.
„Christo" oder Kṛṣṇa - es ist dieselbe Sache. Lassen Sie uns also zusammenarbeiten und chanten, und wenn Sie Vorurteile haben, den Namen „Kṛṣṇa" zu chanten, dann chanten Sie eben „Christo" oder „Krischto". Śrī Kṛṣṇa Caitanya Mahāprabhu sagte:

nāmnām akāri bahu-dhā nija sarva-śaktis
tatrārpitā niyamitaḥ smaraṇe na kālaḥ
etādṛśī tava kṛpā bhagavān mamāpi
durdaivam īdṛśam ihājani nānurāgaḥ

Gott hat Millionen und Abermillionen von Namen, und jeden dieser Namen kann man chanten, weil jeder dieser Namen die gleiche Kraft wie Gott die Person hat - denn zwischen Seinem Namen und Ihm Selbst ist kein Unterschied. Und wenn Sie frei von Namen und Bezeichnungen werden wie „Ich bin Hindu, ich bin Christ, ich bin Moslem", und einfach Gottes Namen chanten, werden Sie die spirituelle Ebene erreichen, ganz gleich, ob Sie Hindu, Moslem, Christ, schwarz oder weiß sind. Wir predigen, daß das menschliche Leben zur Verwirklichung Gottes bestimmt ist, zu lernen, wie man Gott lieben kann. Das ist die wirkliche Aufgabe des Menschen. Ob Sie diese Aufgabe als Hindu, Christ oder Moslem erfüllen, ist gleich - aber erfüllen Sie sie!

Pater Emmanuel: Ich stimme zu.

Śrīla Prabhupāda: (zeigt auf eine Kette aus 108 Perlen) Wir haben immer diese Gebetskette mit uns - genau wie Sie. Sie chanten und Sie sind Christ, warum chanten nicht auch die anderen? Sie können nichts verlieren, sondern nur etwas gewinnen. Warum sollten wir diese Gelegenheit als Mensch verpassen? Katzen und Hunde können nicht chanten, wir aber haben eine menschliche Zunge bekommen; wenn wir die heiligen Namen Gottes chanten, können wir nichts verlieren, im Gegenteil, der Gewinn wird groß sein!
Diese Jungen und Mädchen hier üben sich darin, ständig zu chanten; sie könnten auch ins Kino gehen und viele andere Dinge tun; doch sie haben alles aufgegeben: sie essen weder Fisch noch Fleisch noch Eier; sie berauschen sich nicht, sie trinken nicht, sie rauchen nicht; sie nehmen nicht an Glücksspielen teil, spekulieren nicht und unterhalten keine unerlaubten sexuellen Beziehungen. Aber sie chanten die heiligen Namen Gottes. Wenn Sie mit uns zusammenarbeiten würden und in die Kirchen gingen und „Christus", „Christo" oder „Kṛṣṇa" chanten würden - was könnte man dagegen einwenden?

Pater Emmanuel: Nichts.

Śrīla Prabhupāda: Statt die Kirchen geschlossen zu halten ...

Pater Emmanuel: Ich für meinen Teil, ich würde. . .

Śrīla Prabhupāda: Nein, wir sprechen mit Ihnen als einem Vertreter der christlichen Kirche. Statt die Kirchen geschlossen zu halten, warum geben Sie sie nicht uns? Wir würden darin 24 Stunden lang die heiligen Namen Gottes chanten.
Vielerorts haben wir Kirchen gekauft, die vorher praktisch geschlossen waren. Niemand kam mehr, und daher wurden sie zum Verkauf angeboten. Ich habe in London Hunderte von Kirchen gesehen, die geschlossen waren oder für andere Zwecke verwendet wurden. In Los Angeles kauften wir eine solche Kirche; man verkaufte sie, weil niemand mehr kam. Wenn Sie jetzt in dieselbe Kirche kommen, werden Sie die gleichen Menschen sehen wie früher - zu Tausenden. Jeder intelligente Mensch kann in fünf Minuten verstehen, was Gott ist - es braucht keine fünf Stunden.

Pater Emmanuel: Ja, ich verstehe.

Śrīla Prabhupāda: Aber die Menschen wollen nicht verstehen, das ist ihre Krankheit!

Besucher: Ich denke, es ist nicht eine Frage der Intelligenz, sondern eine Frage der Demut.

Śrīla Prabhupāda: Demut bedeutet Intelligenz. „Den Demütigen und Bescheidenen, gehört das Reich Gottes", heißt es in der Bibel, nicht wahr? Heutzutage jedoch ist die Philosophie der Halunken populär geworden, die behaupten, jeder sei Gott. Deshalb ist niemand demütig und bescheiden. Wenn sich jeder für Gott hält, warum sollte er demütig und bescheiden sein? Daher lehre ich meine Schüler, wie sie demütig und bescheiden sein können. Sie bringen im Tempel und dem geistigen Meister gegenüber stets ihre demütigen Ehrerbietungen dar, in dieser Weise machen sie raschen Fortschritt. Diese Qualifikation, demütig und bescheiden zu sein, führt sie schnell der spirituellen Verwirklichung entgegen. In den vedischen Schriften heißt es: „Jedem, der festen Glauben an Gott und den geistigen Meister, Seinen Vertreter, hat, wird die Bedeutung der vedischen Schriften offenbart."

Pater Emmanuel: Sollte man nicht auch diese Demut jedem anderen gegenüber zeigen?

Śrīla Prabhupāda:  Ja,  aber  es  gibt  besonderen  und  gewöhnlichen  Respekt.  Śrī  Kṛṣṇa Caitanya  hat  uns angewiesen, selbst einer Person, die respektlos ist, Respekt zu erweisen. Man sollte keine Ehre für sich  erwarten, sondern stets allen anderen Ehre erweisen.

Pater Emmanuel: Ja, ich stimme zu.

Śrīla Prabhupāda: Ich  meine,  die  christlichen  Priester  sollten  mit  der  Bewegung  für  Kṛṣṇa-Bewußtsein zusammenarbeiten.  Sie  sollten  den  Namen  „Christus"  oder  „Christos"  chanten  und  aufhören,  Tiere  zu schlachten. Dies entspricht der Lehre der Bibel - es ist nicht meine Philosophie. Sie  haben ihre christliche Lehre, handeln Sie einfach danach, und sehen Sie, wie sich die Situation verändert!

Pater Emmanuel: Ich bin Ihnen sehr dankbar.

Śrīla Prabhupāda (fröhlich): Hare Kṛṣṇa!


Foto 5
 Śrīla Prabhupāda im Gespräch mit Pater Emmanuel


Foto 6
 „’Du sollst nicht töten!’ Es ist eine klare Anweisung!
Warum sollen wir interpretieren?"


Foto 7
 „Wenn Sie mit uns zusammenarbeiten würden und in
die Kirchen gingen und ‘Christus’, ‘Christo’ oder ‘Kṛṣṇa’
chanten würden - was könnte man dagegen einwenden?"


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